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Wie man von den Bribri-Indianern die Forstwirtschaft lernen kann
Eine Schotterstraße führt entlang des Sixaola Flusses zum Dorf Bambu. Wir genießen die Aussicht auf die dicht bewaldeten Talamanca-Berge, die sich bis weit hinter die nahe Grenze zu Panama ziehen. Der kleine Ort bietet Besuchern eine einfache aber geräumige aus Holz und Palmblättern gebaute Herberge zum Übernachten und Kosten der einheimischen Küche. Zu Fuß oder per Boot gibt es Touren zu Wasserfällen, traditionellen Stätten und vor allem in die Wälder. Fast das ganze Gebiet der Bribri besteht aus Urwald, sie nennen es ihr grünes Gold. Teilweise wird aber auch noch Plantagenwirtschaft betrieben. Vor über hundert Jahren ...
... wurden große Teile der Bribri-Territorien von US-amerikanischen Konzernen beansprucht und mit Bananen bepflanzt. Die Konzerne zogen sich aus verschiedenen Gründen zurück und so gewinnt der ursprüngliche Wald mehr und mehr die Oberhand. Heute finden die Bribri in der Landwirtschaft wieder zu ihren Ursprüngen.
Wir setzen auf einem Einbaum über den breiten Strom des Sixaola. Auf der anderen Seite werden wir sofort vom Urwald verschluckt. Demetrio, ein Bribri-Indianer, führt uns auf einem schmalen Pfad den Steilhang hinauf zu seiner Finca. Riesige Ceiba Bäume wechseln sich mit Palmen und anderen niedrigen Pflanzen ab. Bald sind wir von zahlreichen Kakaobäumen umgeben, dazwischen stehen Bananenstauden. Schon sind wir mittendrin in dem, was unter dem Fachbegriff „sukzessionales Agroforstsystem“ bekannt ist. Bäume werden zwar wenn nötig gefällt, aber dort liegengelassen, denn das Lignin ist als Energieträger für andere Pflanzen äußerst wichtig. Auch sonst werden die meisten Pflanzen nicht abgehauen, sondern dienen anderen zum Wachsen. Statt Wettbewerb herrscht hier Koexistenz von bis zu vierzig verschiedenen Produkten, die von Demetrio nach und nach geerntet werden. Letzte Woche hat er Unmengen an Kürbissen gehabt, Yucca ist bald fertig, in ein paar Monaten kann er Ananas ernten und nächstes Jahr wohl schon die ersten Zitronen. Das alles wächst auf der gleichen Parzelle, mitten im Wald, und ohne Düngerzusätze. Diese Bodenbewirtschaftung laugt den Boden nicht aus, so dass sie unbegrenzte Zeit möglich ist.
Es gibt Waldgebiete, wo die Bribri seit über hundert Jahren diese Art von nachhaltiger Landwirtschaft betreiben. „Den Bribri brauchen wir gar nichts beibringen, ihr Verhältnis zur Natur ist viel enger als unseres. Sie wissen genau, wie sie ihre Erde bearbeiten müssen, ohne sie zu schädigen“, so Winfried Steiner, ein deutscher Forstingenieur, der seit vielen Jahren die Bribri und Bauern bei der Weiterentwicklung dieses Systems unterstützt. Auch durch den Erfahrungsaustausch mit Brasilien und Bolivien konnten wertvolle Erfahrungen hinzugewonnen werden. Auf Seminaren wird den Bauern der Vorteil dieser Methode gegenüber den Verlockungen vom schnellen Geld auf Plantagen mit Monokulturen erklärt. Wichtig ist, dass jeder Bauer zunächst genügend Nahrungsmittel für sich und seine Familie produzieren kann, dann kann er im zweiten Schritt die überschüssigen Produkte verkaufen: Wenn der eigene Magen erstmal voll ist, lässt es sich besser verhandeln. So lassen wir uns von den Köstlichkeiten des Urwaldes überzeugen. Palmherzen werden direkt vor unseren Augen aufgeschnitten und verkostet. Dazu werden frische Kochbananen über dem Holzfeuer geröstet. Frisch gepresster Orangensaft löscht unseren Durst. Ein Festmahl und das mitten im Urwald – bei den Bribri gibt es noch Natur pur.